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Vor 4 Jahren bin ich als Künstlerin aus Frankfurt/ in den Odenwald gezogen. Seitdem beobachte ich aufmerksam den volkstümlichen und kulturellen Umgang mit der Sage über die Nibelungen in meinem neuen Umfeld.
Als Bildhauerin haben mich natürlich die vielfältigen Skulpturen interessiert, die vielerorts in der Region zu sehen sind. Unvoreingenommen habe ich sie jeweils auf mich wirken lassen und fand in den menschlichen Gestalten vorwiegend den kämpferischen, gewaltbetonten Aspekt der Sage dargestellt.
Da ich der Ansicht bin, dass es für unser Bewusstsein bedeutsam ist, womit wir uns umgeben oder –wie in diesem Fall - umgeben werden, rührte sich bald in mir das Bedürfnis, irgendwann diesen kämpferischen Darstellungen der Nibelungensage als Bildhauerin einen anderen Aspekt an die Seite zu stellen - einen dem Leben zugewandten.
Durch die Lektüre des Buches „ Brunhilds Lied“ von Diana Paxson bin ich einem mir völlig neuen Siegfried begegnet – einem liebenswert sympathischen Jungen, dem es fern ist, ein Held sein zu wollen. Auch der in Aussicht gestellte Besitz des Nibelungenschatzes kann ihn nicht locken. Stattdessen lebt er im Einklang mit der Natur und fühlt sich darin wohl und zuhause. Er übt sich darin, die Sprache der Tiere zu verstehen und geht darin auf, die natürlichen Zusammenhänge zu entdecken. Später wird er sich der Intrigen und Machtkämpfe am Hof nicht entziehen können und in all die menschlichen Schwächen verwickelt sein. Doch vorher schenkt er der jungen in Not geratenen Brunhilde seine reine und bedingungslose Zuwendung und Liebe. Da ist er noch der Junge und junge Erwachsene, dem alles Intrigante und Machtbetonte fremd ist.
Diesen Jungen möchte ich gerne an einem geeigneten Ort des neu angelegten Nibelungensteiges Gestalt werden lassen.
Ich möchte damit dort als Bildhauerin ein Bild erschaffen, das dem Leben dient und zum Leben im Einklang mit der Natur ermutigt.
Die Erschaffung der Skulptur ist ein lebendiger Prozeß vor Ort. Ich nenne meine Arbeitsweise „integrierende Kommunikation“ oder „Kunst, die integriert, was ist“. Das meint, dass ich mich für die Qualität und Eigenart des Ortes, für den dafür ausgewählten Stein, dem gestellten Thema und den Begegnungen und Gesprächen mit den Besucherinnen und Besuchern öffne.
Ich habe keinen vorher gemachten Entwurf, sondern die Skulptur ent-wickelt sich vor den Augen der Öffentlichkeit und mit ihrem Interesse und ihren Eingaben.
Die Tatsache, dass das Nibelungenlied in diesem Jahr von der Unesco zum Weltdokumentenerbe ernannt worden ist, gibt dem geplanten Projekt einen zusätzlichen Impuls. |